{"id":40,"date":"2019-09-23T19:32:36","date_gmt":"2019-09-23T17:32:36","guid":{"rendered":"http:\/\/johannes-klier.de\/web\/?page_id=40"},"modified":"2020-10-30T09:49:10","modified_gmt":"2020-10-30T08:49:10","slug":"rezensionen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/johannes-klier.de\/web\/konzerte\/rezensionen\/","title":{"rendered":"Rezensionen"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Rezensionen<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Gitarrenmusik in Reinkultur<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>[\u2026] Kliers Interpretationsphilosophie, das wurde gleich zu Beginn bei Denis Gaultiers Pavane und Courante deutlich, setzt nicht auf spektakul\u00e4res Virtuosentum, sondern \u2013 in gegenl\u00e4ufiger Tendenz \u2013 in einer Art sanfter Kompromi\u00dflosigkeit aus kontemplativer Grundhaltung heraus auf ma\u00dfvolle Tempi, einen bl\u00fchenden, gleichwohl transparenten Klang, auf sorgf\u00e4ltige dynamische Gewichtung von Haupt- und Nebenstimmen, durch die selbst polyphone Strukturen erfa\u00dft werden (Bach: Suite BWV 995).<\/p>\n\n\n\n<p>Von Miguel Llobet (1878-1938) und Joaqu\u00edn Turina (1882-1949), zwei hervorragenden Vertretern der neueren spanischen Schule, interpretierte der Meister zwei f\u00fcr sie typische Kompositionen: von Llobet zwei Katalanische Volkslieder von schwerm\u00fctigem, verhangenem Charakter und von Turina eine Fandanguillo: Spanische Gitarre in Reinkultur! Die starke Resonanz im Publikum steigerte sich noch nach den mit souver\u00e4ner Technik dargebotenen drei Preludes von He\u00edtor Villa-Lobos: Virtuosit\u00e4t, Trennsch\u00e4rfe von Melodie und Nebenstimmen im ersten, romantisch-impressionistischer Duktus im dritten, klaviersatz-\u00e4hnlich das f\u00fcnfte, leise, nie auf Effekt bedacht. Eine hohe Schule f\u00fcr alle Gitarrensch\u00fcler. Einzig bei der Zugabe (dem 4. Prelude von Villa-Lobos) erlaubte sich Johannes Klier einen rauschenden, virtuosen Mittelteil: Pulsierender Drehpunkt eines sonst eher espressivo angelegten Preludes.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">K\u00f6lner Stadtanzeiger vom 29.09.1989<br><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Musik ohne stechende Klangform<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gitarrekonzert Johannes Kliers im Bamberger Kaisersaal&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Johannes Klier hatte zun\u00e4chst mit einer f\u00fcr einen Gitarrenvirtuosen un\u00fcblichen, sakrischen K\u00e4lte im Kaisersaal der Neuen Residenz Bamberg zu k\u00e4mpfen. [\u2026]Nichts ist am K\u00fcnstlertum des Interpreten auf dem sechssaitigen Zupfinstrument auszusetzen oder zu kritisieren. Es gab neben dem Spiel der Einzelnoten rasantes Akkordspiel. Gro\u00dfe Fertigkeit lag in der Anwendung von Doppelgriffen und L\u00e4ufen vor. Keine stechende Klangform tr\u00fcbte das Ohr [\u2026].<\/p>\n\n\n\n<p>Die virtuose Eigenliteratur f\u00fcr das Zargeninstrument begann mit dem Franzosen Denis Gaultier. Eine majest\u00e4tische Pavane \u201eCirc\u00e9\u201c er\u00f6ffnete den Reigen, die Courante aus dem ber\u00fchmten Lautenbuch \u201eLa Rh\u00e9thorique des Dieux\u201c (um 1652) entwickelte Klier in ihrer geschlossenen Form und festen Anlage sehr kantabel. Das Beispiel f\u00fcr eine fr\u00fche programmatische Musik erklang lyrisch und intim in seinem Charakter. Johann Sebastian Bachs Werk f\u00fcr Laute, die Suite g-Moll, BWV 995, eine \u00dcbertragung der 5. Cello-Solo-Suite, Nr. 1011, transponierte der Solist gitarrengerecht nach a-Moll. Sie erschien ziersam in ihrem Rokoko-Verschnitt. Eine sehr gute rhythmische Profilierung, phantasievolle Ausgestaltung der Einzels\u00e4tze als auch der Gesamtform geschah. Klier stellte die f\u00fcr die T\u00e4nze wesensbestimmende, symmetrische und klar konstruierte Struktur heraus. Ein herrlicher Klang, Kolorit und sch\u00f6ner ornamentaler Stil kam hinzu.<\/p>\n\n\n\n<p>Moderne Musik des Kubaners Leo Brouwer (Jahrgang 1939) schlo\u00df sich an. Sein \u201eLa Espiral Eterna\u201c brachte Johannes Klier mit allen Knall-, Schleif- und Trommeleffekten. Die freien figurativen Zwischenspiele zeigten in ihrer Lockerheit und Weichheit, da\u00df sich der Solist endlich warm spielen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Pause f\u00fcnf Pr\u00e9ludes des noch f\u00fchrenden Tonsetzers Brasiliens Heitor Villa-Lobos. Virtuoses Instrumentalspiel, eine gro\u00dfe melodische Selbst\u00e4ndigkeit setzte Johannes Klier ein, um die folkloristischen Momente, Stilelemente der Romantik, des Impressionismus und Neu-Klassizismus zum Wirken zu bringen. Es gelang ihm, diese stegreiflockeren Formen und s\u00fc\u00dfen bis leidenschaftlichen Charakterst\u00fccke klanglich voll auszusch\u00f6pfen. Die Et\u00fcden Nr. 10, 11 und 12 desselben Komponisten \u00fcberzeugten durch Ernst und W\u00fcrde, Anmut und Heiterkeit. Das Improvisieren kompositorisch und spieltechnisch wieder aufleben zu lassen, setzte Johannes Klier phantasievoll und vital in jener Musik um.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">Fr\u00e4nkischer Tag vom 14. Mai 1984<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rezensionen Gitarrenmusik in Reinkultur [\u2026] Kliers Interpretationsphilosophie, das wurde gleich zu Beginn bei Denis Gaultiers Pavane und Courante deutlich, setzt nicht auf spektakul\u00e4res Virtuosentum, sondern \u2013 in gegenl\u00e4ufiger Tendenz \u2013 in einer Art sanfter Kompromi\u00dflosigkeit aus kontemplativer Grundhaltung heraus auf ma\u00dfvolle Tempi, einen bl\u00fchenden, gleichwohl transparenten Klang, auf sorgf\u00e4ltige dynamische Gewichtung von Haupt- und Nebenstimmen, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":28,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-40","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/johannes-klier.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/40","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/johannes-klier.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/johannes-klier.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/johannes-klier.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/johannes-klier.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=40"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/johannes-klier.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/40\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":275,"href":"https:\/\/johannes-klier.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/40\/revisions\/275"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/johannes-klier.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/28"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/johannes-klier.de\/web\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=40"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}