Ingrid Hacker-Klier & Johannes Klier
Die Gitarre. Ein Instrument und seine Geschichte

Edition Santiago Navascués, Bad Schussenried 1980

Rezensionen

[…] Ein Buch, das so ausgezeichnet ist, wie sein Titel schlicht […].Dass ein literarisches Massenthema im Sachbuchbereich hier ein Glückstreffer vom Format Nickels, Turnbulls oder Jefferys wurde, dürfte wohl darauf zurückzuführen sein, dass Frau Hacker-Klier als Linguistin Courage hat, das Thema Gitarre endlich einmal in den historischen Kontext einzubetten. Gott sei dank: Törichte etymologische Sperenzchen, Geschichtsklitterei usw. – davon wimmelt die »Fach«-Literatur – haben hier nichts verloren […] Klier + Klier, […] im Inhalt gewappnet wider jedes Tabu, haben ihr Pädagogen-Ethos, scheint's, mit goldenen Löffeln gefressen […] die Geschichte unseres Instrumentes wird ab jetzt anders geschrieben werden müssen.

Gitarre aktuell, Hamburg, Oktober 1980
 

[…] die einzige derzeit akzeptable Geschichte der Gitarre in deutscher Sprache […] Nicht über eine sachliche Auflistung und Abhandlung der Quellen, Daten, Fakten und Persönlichkeiten entsteht hier ein neu gezeichnetes Bild des Instruments; die beiden Kliers schürfen tiefer, fragen nach Zusammenhängen innerhalb der europäischen Kulturgeschichte, fragen nach politischen, soziologischen wie kulturellen Erscheinungen, welche Einfluss auf die Entwicklung der Gitarre und vor allem ihrer Musik seit Urzeiten genommen haben […] Jetzt, da dieses Buch erschienen ist, merkt man erst so richtig, was an deutschsprachigen Werken dieser Gattung bislang so schmerzlich vermisst wurde.

Neue Musikzeitung, Regensburg, Februar/März 1981
 

[…] Die Entwicklungsgeschichte der Gitarre, eine Evolution, die in ganz anderen Bahnen verlaufen ist, als bisher angenommen wurde. […] Neueste Erkenntnisse und Forschungsergebnisse eines bisher vernachlässigten Gebietes der Musikgeschichte. Besonders die längst veraltete – aber bis heute noch weit verbreitete – Theorie, die Araber hätten die Gitarre erstmals nach Spanien gebracht und damit nach Europa, muss spätestens jetzt als unhaltbar erkannt werden […]

Das Musikinstrument, Frankfurt, März 1981
 

[…] ein Standardwerk […]. eine umfassende Darstellung der Gitarre. […] Nicht nur hat die Gitarre ihre Geschichte, sie ist Ausdruck historischer Epochen […]

tz - München, Januar 1981
 

[…]. vorzügliche Neuerscheinung […]. Neben dem historischen Abriss von den frühen Hochkulturen bis ins 20. Jahrhundert verdient die komprimierte Darstellung der Entwicklung der Gitarre und ihrer Musik in diesem Jahrhundert besondere Beachtung. Alle wesentlichen Entwicklungslinien werden aufgezeigt und erfahren eine kritische Würdigung. Als sehr informativ empfindet der Rezensent die Ausführungen über die Entwicklung der Spieltechnik und damit die Entwicklung im Instrumentenbau. Eine Fülle von Abbildungen ergänzt und veranschaulicht diese angenehm flüssig formulierte Darstellung […]. Eine Veröffentlichung, die vorbehaltlos auch jedem interessierten Laien empfohlen werden kann.

Zupfmusik/Gitarre, Dinslaken, Mai 1981
 

This short, handsomely illustrated history of the guitar has an unusual angle: Mme. Klier is a trained philologist, and the authors have used her expertise to advance […]. a novel 'Entstehungstheorie' to explain why Renaissance Spain had two terms, 'guitarra' and 'vihuela', for what was essentially the same instrument as played in different social strata. The Kliers present their case forcefully and neatly summarize antique musical cultures in the process […]. The Kliers are at their best in deftly interweaving the many changes in guitar style, notation and construction since the Renaissance; they occasionally add new twists of their own as when they show definitively that Miguel Llobet did in fact die of a broken heart, or reveal Giuliani's baffling nome de plume 'Vilac Umo' to be a term for a High Priest in the defunct Incan language of Quechua.

The Musical Times, London, November 1982
 

[…] Ein völlig neuartiges Porträt eines Instruments. Die Geschichte der Gitarre und ihrer Vorläufer wird von den frühen Hochkulturen Mesopotamiens und Ägyptens nachgezeichnet bis in unsere Gegenwart […]. So entsteht eine sehr lebendige und auch für den Nichtspezialisten spannende und gewinnbringende Monographie über ein Instrument. Das Buch bietet einen guten ikonographischen Überblick über das Aussehen der Gitarre und ihrer Vorgänger im Wandel der Geschichte. Außerdem werden eingehend musikalische Probleme behandelt. […]. Insgesamt also ein Buch, das sowohl den Gitarristen als auch den Liebhaber der Gitarrenmusik anspricht und besonders gut für musikpädagogische Zwecke geeignet ist.

Bayerisches Kulturmosaik, München, 1/1983
 

Um es gleich vorwegzunehmen: Kliers Geschichte der Gitarre schließt im nach wie vor spärlichen Buchangebot für Gitarristen eine spürbare Lücke und hilft unser Wissen über die Entwicklung dieses Instrumentes in bisher nicht gekannter Weise zu ergänzen und zu vertiefen. Vertreter zweier unterschiedlicher Fachdisziplinen haben sich hier in sinnvoller und ertragreicher Arbeit zusammengefunden: Johannes Klier, der mit dem Instrumentalspiel, seinen Voraussetzungen wie Forderungen vertraute Praktiker, und Ingrid Hacker-Klier, die Romanistin und Linguistin, die mit sprachlichen Untersuchungen eine Dimension der kulturellen Zusammenhänge beisteuerte, die man bisher in ähnlichen, meist summarischen Darstellungen vermißte. Entstanden ist die „Landkarte eines Instrumentes“, die nicht nur Gitarristen Basiswissen vermitteln soll, sondern darüber hinaus als Kompendium allen Musikinteressenten Berührungspunkte der Entwicklung eines Zupfinstrumentes mit den Epochen und Tendenzen europäischer Kulturgeschichte verdeutlichen möchte. So steht die Gitarre in ihrer lebendigen Evolution durch die Jahrhunderte im Mittelpunkt des Buches.

In den ersten vier Kapiteln wird eine allgemeine […] Übersicht über die Tradierung gezupfter Saiteninstrumente gegeben, ausgehend von den vorgeschichtlichen Hochkulturen in Mesopotamien, über die Antike, das Römische Weltreich, bis zum Beginn des christlichen Abendlandes mit Anschluß an die spanische Renaissance des 16. Jahrhunderts. Hierbei gelingt es den Autoren, eine neue Evolutionstheorie über die Frühentwicklung der Gitarre aufzustellen, was alleine schon ein Buch rechtfertigt. Die guitarra morisca und die guitarra ladina, beide schon seit langem bekannt und nachgewiesen, sind nicht nur die wichtigsten Zeugen im Schnittpunkt der Kulturen auf spanischem Boden, sie markieren auch den Ausgangspunkt für die weitere Darstellung. Die Tendenz ist eindeutig: die guitarra española dominiert mit ihrer charakteristischen Spielweise bis weit in die Barockzeit hinein.

[…] In der Beschreibung der spanischen Gitarristen des 19. Jahrhunderts wechselt Klier vom Prinzip der zusammenfassenden Übersicht zu Einzeluntersuchungen (z. B. bei Sor oder Giuliani), die sich bis in Formanalysen einzelner Werke verlieren.

[…] Der „Rückblick und Ausblick“ auf das 20. Jahrhundert gerät Klier dann recht kurz, vielleicht eingedenk der Tatsache, daß der zeitliche Abstand noch zu gering ist, um eine gleichermaßen grundlegende wie objektive Bewertung der vielfältigen Erscheinungen der zeitgenössischen Gitarristik vornehmen zu können. So sieht Klier denn auch die Zukunft der Gitarre eher mit zwiespältigen Gefühlen, bewirken doch die Einflüsse der Vermassung unserer Gesellschaft eher nivellierende Tendenzen als richtungweisende Ansätze.

MUSICA, Kassel, 36 1982